Ariadne
Rüdiger Klöckners ehemaliges 204 Cabriolet
(Köln)
von 1970 bis 2001 in zweiter Hand
EZ 11/68, Fahrgestellnr. 6.414.774

Der Text zu den Bildern stammt dieses Mal nicht von mir, sondern von Rüdiger selbst:

Hallo Michael,
 
ich habe nun in vierstündiger Arbeit einen Text zu den Bildern von Ariadne erstellt. Ich habe versucht, mich auf das Wesentliche zu beschränken. Der Text ist trotzdem recht umfangreich geworden. Falls Du willst, kannst Du ihn ja kürzen....


...das werde ich natürlich nicht machen.

Die Bilder hat interessanterweise Michael Semmler (dessen Wagen hier an anderer Stelle vorgestellt wird) bei einem Besichtigungstermin letztes Jahr gemacht zu dem er leider 1 Tag zu spät kam (er ärgert sich heute noch). Einen Tag zuvor war der Wagen nämlich an einen Peugeot Sammler (in 59199 Bönen) verkauft worden, der ihn hoffentlich restauriert und wieder auf die Strasse bringt.



Ariadnes Geschichte ( von Rüdiger Klöckner)
- beim Klicken auf die kleinen Bilder sieht man sie in groß -

Dies ist die Geschichte eines Autos, das 31 Jahre lang ein Mitglied meiner Familie war.

Vorbemerkung: Für mich ist ein Peugeot (egal wie alt) wie eine Frau: Entweder man liebt dieses Auto und ist bereit, Schwierigkeiten in der Beziehung hinzunehmen, oder man lässt die Finger davon. Für mich war Ariadne nicht der erste Peugeot, aber bisher meine größte Liebe.

Doch nun zur Geschichte: Es handelt sich hier um ein Peugeot 204 Cabrio, Fahrgestell-Nr. 6.414.774, EZ 11/68 (also Modelljahr 1969). Der damalige Neupreis betrug incl. Hardtop ca. DM 8.500.-. Das Fahrzeug wurde seinerzeit durch die Firma May & Gotter OhG in Bonn ausgeliefert. Leider ist der Originalbrief abhanden gekommen. Meines Wissens war die Erstbesitzerin eine Dame aus Bonn. Am 17.7.1970 hat meine Mutter das Auto dann für ca. DM 6.000.- als zweite Besitzerin erworben.

Ich weiß nicht mehr, ob die Nebelscheinwerfer und die TALBOT-Außenspiegel damals schon dran waren oder ob sie auf  Veranlassung meiner Mutter montiert worden sind; auf jeden Fall kenne ich Ariadne nur mit besagten Nebellampen und Spiegeln. (Bei Oldtimertreffen bin ich von "Puristen" gerade wegen dieser Teile des öfteren angefeindet worden.)


Im Oktober 1981 verstarb meine Mutter; mein Vater hat das Auto dann auf sich umgemeldet und  (leider mehr schlecht als recht) am Leben erhalten.

Im Februar 1993 war es dann soweit: Die zweite Frau meines Vaters hatte solange herumgenörgelt, bis sich mein Vater dazu entschloss, sich von dem 204 zu trennen. Als er mich fragte, ob ich das gute Stück übernehmen wolle, habe ich nicht sehr lange überlegt und Ja gesagt. Ich bekam den Wagen sogar geschenkt, in unrestauriertem Originalzustand (was sich dann als Zustand 4 herausstellte). Damaliger KM-Stand: 147.880, selbstverständlich noch mit Original-Motor! . Nach drei Monaten war ich dann gezwungen, die Lichtmaschine überholen zu lassen, da die Lager verschlissen waren. (KM 152.000)

August 1993: Teilnahme am OGP auf dem Nürburgring. Hatte in der Zwischenzeit das morsche Originalverdeck gegen ein gebrauchtes Stoffverdeck ausgetauscht, das ich von jemandem aus der Szene geschenkt bekommen hatte. Den Kühlergrill und die Nebellampen hatte ich auch erneuert.

Im Oktober 1993 waren dann eine neue Kupplung und Stoßdämpfer vorne fällig (KM 159.000)

Im April 1994 gab der Zündverteiler seinen Geist auf.

Am 2. Mai 1994 semmelt mir eine freundliche Nachbarin beim Zurücksetzen in die Front. Folge: Stoßstange, Nebellampen, Motorhaube und Kühlergrill im Eimer.
Im Verlauf der Unfallreparatur stellen sich böse Rostschäden am linken Vorderbau heraus, die geschweißt werden müssen. Ich lasse zusätzlich zur Unfallreparatur auch noch auf meine Kosten den linken Kotflügel vorne erneuern, die gesamte Frontpartie wird neu lackiert.

Juli 1994: Anlässlich der TÜV-Überprüfung werden Schweißarbeiten am Unterboden fällig.

August 1994: erneute Teilnahme am OGP

Februar 1995: Ein Jungschnösel mit einem gemieteten 3er BMW semmelt mir vor einer roten Ampel ins Heck. Im Laufe der Reparaturarbeiten stellen sich (wieder einmal) gravierende Schäden am Unterbau heraus. Irgendwie ist es ein Wunder, daß der Hinterwagen noch nicht auseinandergebrochen ist! Also wird das Heck (natürlich auf meine Kosten) aufwendig restauriert; Unterbau schweißen, Radläufe mithilfe von z.T. in Handarbeit erstellten Reparaturblechen erneuern, Heckblech und Stoßstange erneuern, Rücklicht rechts erneuern, Neulackierung des Hecks und der Türen. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich nur noch das Hardtop und die Innenausstattung im unrestaurierten Originalzustand.

30.April bis 1.Mai 1995: Teilnahme am 1. Internationalen Treffen von L'Aventure Peugeot in Linas-Montlhéry bei Paris.

August 1995: wieder einmal Teilnahme am OGP auf dem Nürburgring, mit allem Zubehör incl. Camping.
Kurz vorher hatte sich bei einer Inspektion herausgestellt, daß das Kurbelwellenlager schadhaft war. Mir ging aber nun die Puste bzw. das Geld aus, nachdem ich mittlerweile insgesamt mehr Geld in die Wiederherstellung von Ariadne reingesteckt hatte, als der damalige Neupreis betrug. Also habe ich das Auto schweren Herzens stillgelegt und in eine Garage gestellt, in der Hoffnung auf bessere Zeiten.


Im August 2001 hatte sich aber immer noch nichts Entscheidendes getan; also entschloss ich mich, wenn auch widerwillig, Ariadne zu verkaufen.

Bei der Besichtigung durch den Käufer, einen Kfz-Mechaniker aus Westfalen, stellte sich dann heraus, daß die lange Standzeit dem Auto garnicht gut getan hatte. Der Unterboden war schon wieder morsch. Also ging mein Liebling für gerade mal 2.000 DM in hoffentlich gute Hände. KM-Stand: ca. 183.000

Ich hoffe, daß Ariadne bald wieder in guter Verfassung über Deutschlands Straßen rollt. Ich habe die (im Grunde genommen nur zwei) Jahre mit diesem Auto sehr genossen und denke oft mit Wehmut daran zurück. Ariadne hat mir während dieser Zeit als Alltags- und auch Spaßauto treue Dienste geleistet.

Goodbye and Good Luck, Ariadne!



P.S.: Meine neue Liebe ist ein neun Jahre alter 106, den ich mal wieder meinem Vater abgekauft habe. Wenn es nach mir geht, wird dieser Wagen auch mindestens 30 Jahre alt!  So ist das eben mit den Peugeots: Entweder man liebt sie...

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